Sterben an Aids, Leben mit HIV. Aidshilfe Goslar lädt zur Zeitreise am Welt-Aids-Tag ein 

Lesung WAT22

Eine ganz besondere Veranstaltung erinnert am 1. Dezember an die Menschen, die sich zum Thema HIV/Aids engagieren. Ab 17.00 Uhr empfängt die Aidshilfe im Kulturmarktplatz am Museumsufer die interessierte Öffentlichkeit zu einer Zeitreise in die 1990er Jahre. 

„Mit einer Lesung aus dem Tagebuch unserer Mitgründerin Regina Scheller-Leutloff ehren wir das Andenken all jener, die nicht mehr von den modernen HIV-Medikamenten profitieren konnten“, sagt Günther Oles vom Vorstand der Aidshilfe Goslar. „Wir wollen aber auch daran erinnern, dass HIV noch immer nicht Geschichte ist.“

Unter dem Titel „Sorry, ich wollte nicht nerven“ entstand ein Zeitdokument, das inzwischen als gebundenes Buch auch im Goslarer Stadtarchiv bewahrt wird. Tagebucheinträge aus den Jahren 1990 bis 1996 schildern, was die Immunschwächekrankheit Aids für das Leben in Goslar bedeutete. Aids hatte in den 1990er Jahren nicht nur medizinische Dimensionen, sondern auch gesellschaftliche.  Autorin Regina Scheller-Leutloff hielt die praktischen und emotionalen Herausforderungen fest, als sie ihren schwulen Freund „Michael“ nach seiner Diagnose begleitete. So schrieb sie im Dezember 1994: „Ich wollte so gern eine Rote Solidaritätsschleife haben, die in einigen, natürlich nur größeren Städten, verteilt wurden. Ich bekam sie nirgends.“Frustration, Angst und Mitgefühl führten letztlich dazu, dass Regina Scheller-Leutloff zur Mitgründerin der Aidshilfe Goslar wurde. 

Schon im vergangenen Jahr, anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Aidshilfe, sollte das Buch aus dem Jahr 2021vorgestellt werden. Doch die Corona-Krise wollte es anders. Nun reist für die Lesung die Kölner Journalistin Harriet Langanke an. Die Sexualwissenschaftlerin und Stifterin der GSSG – Gemeinnützige Stiftung Sexualität und Gesundheit stammt aus Goslar. 

„Ob wir heute wirklich weiter als in den 1990er Jahren sind? Ob der Umgang mit einer Infektionskrankheit - wie Covid oder den Affenpocken - heute ohne Stigmatisierung und Diskriminierung besser gelingt?“ Das, so hoffen Regina Scheller-Leutloff und Günther Oles, können die Gäste nach der kleinen Zeitreise und dem anschließenden Austausch selbst beurteilen.

Der Eintritt zur Lesung ist kostenlos; die Veranstaltung endet gegen 19.00 Uhr.

Dieses Projekt wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ und von der Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Goslar gefördert.